Sauerstoff: Intravenöse Oxyvenierungstherapie (IOT)

Nachfolgende Informationen sind – mit großem Dank – dem Buch von Franz J. Kreutzer, Intravenöse Sauerstofftherapie (IOT), 2. Auflage 2014 entnommen. Der Autor hat weit über tausend Patienten mit der Oxyvenierungstherapie behandelt, davon mehrere hundert mit arteriellen Durchblutungsstörungen. Die Behandlungserfolge waren bei zahlreichen Erkrankungen so unerwartet gut und verblüffend, dass der Autor seine Forschungen zum Wirkungsmechanismus nach Aufgabe seiner Praxis bis heute fortführt. Seine Erkenntnisse und die Erfahrungen von Dr. Regelsberger – dem Inaugurator der Oxyvenierungstherapie – und anderen Anwendern dieser einzigartigen Methode hat er in diesem Buch niedergeschrieben. Zahlreiche Berichte von erfolgreich behandelten Patienten mit den verschiedensten Erkrankungen veranschaulichen die gute Wirksamkeit der Oxyvenierungstherapie.

Die intravenöse Oxyvenierungstherapie (IOT) nach Dr. Regelsberger ist eine leicht durchzuführende, nahezu nebenwirkungsfreie und kostengünstige Methode aus dem Bereich der Komplementärmedizin und hat sich in über 30 jähriger Forschungsarbeit zu einer sicheren, nebenwirkungsarmen Therapiemethode entwickelt.

Bei der IOT werden sehr geringe Gaben (6-99 ml) rein medizinischen Sauerstoffs mit geringer Infusionsgeschwindigkeit (1-2 ml/min) intravenös mit einer sehr dünnen Kanüle verabreicht. Die komplette Behandlung erfolgt dabei im Liegen und dauert mit Ruhezeit zwischen 30-90 min.

Die Oxyvenierungstherapie dient der Stärkung der körpereigenen Abwehrmechanismen und bedient sich dabei dem Prinzip der Hormesis. Bei der intravenösen Sauerstofftherapie geht es nicht darum, dass Blut zusätzlich mit Sauerstoff anzureichern.

Zunächst wirkt der Sauerstoff im Körper wie ein Fremdkörper. Die Blutgefäße im gesamten Körper erweitern sich und die Anzahl der eosinophilen und basophilen Granulozyten (zwei Untergruppen der weißen Blutkörperchen) erhöhen sich im Blut sehr stark.

Die Eosinophilen, die sonst u.a. im Gewebe Entzündungen und allergische Reaktionen hervor rufen, treten vermehrt aus dem Gewebe in die Blutbahn ein und setzten das durchblutungsfördernde Hormon Prostacyclin frei. Die durchschnittliche Erhöhung des Prostacyclins liegt bei mehr als 800 % (Medizinischen Hochschule Hannover, Prof. Frölich).

Die Basophilen setzten Heparin frei und verbessern so die Fließeigenschaften des Blutes; es kommt zu einer deutlichen Ausschwemmung von Flüssigkeit (Ödemen) aus dem Gewebe in die Blutbahn und dadurch in der Folge zu einer Hemmung der Aneinanderheftung der roten Blutkörperchen – das Thromboserisiko wird gesenkt.

Durchführung der Oxyvenierung

Erstbehandlung: 4 Wochen á 5 Tage/Woche

Folgebehandlungen: 2 Wochen á 5 Tage/Woche, können alle 3 – 6 Monaten wiederholt werden


Was ist zu beachten?

Mäßige körperliche Betätigung ist erlaubt, Leistungssport und körperliche Anstrengungen sollten vermieden werden. Während der gesamten Behandlungszeit sollte nicht geraucht werden, da sonst Hustenanfälle auftreten können. 

Schmerzmittel, welche die Prostazykline hemmen (z. B. Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, ASS, Aspirin in hohen Dosen, Rheumamittel) und Kortison sollten nicht gleichzeitig eingenommen werden. Kleine Dosen (z. B. 100 mg ASS, Aspirin) sind hingegen erlaubt.

Antioxidative Vitamine, Vitamin C und E sollten zeitversetzt eingenommen werden. Die Oxyvenierung bewirkt keine Veränderung der Gerinnungswerte (Quickwert). 

Die positive Wirkung der Oxyvenierung tritt häufig schon während der Behandlung auf, oft gleich bei der ersten Behandlung. Bei manchen Patienten wird der gewünschte Erfolg nach einigen Wochen erreicht.

Viele Patienten verspüren einen Harndrang, weil sich die Nierenfunktion verbessert. 


Die Oxyvenierungstherapie kann folgende Wirkungen haben


Absolute Kontraindikationen für die Oxyvenierungstherapie

Alle akuten Erkrankungen, die eine ärztliche Sofortmaßnahme erfordern, wie z.B.

  • Herzinfarkt
  • apoplektischer Insult
  • Pneumonie
  • Status asthmaticus
  • schwere Traumata etc.

sowie

  • Vorhof- und Kammer-Septumdefekte (Defekt der Herzscheidewand)

schließen eine Behandlung mit der IOT absolut aus.


Relative Kontraindikationen für die Oxyvenierungstherapie

  • nach einer massiven Lungenembolie
  • bei einem offenem Foramen ovale
  • Rauchen (1h vor und/oder nach der Behandlung)
  • ASS (Aspirin) >= 100 mg
  • nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie
    • Ibuprofen
    • Diclofenac
    • Naproxen
  • Kortikoide
  • hochdosierte Antioxidanzien

sind Behandlungen mit der IOT möglich, jedoch unter Umständen in der Wirkung stark reduziert bis wirkungslos oder muss wegen möglicher Begleiterscheinungen sehr vorsichtig und langsam erfolgen. Dies muss im Einzelfall besprochen werden.


Nebenwirkungen der Oxyvenierungstherapie

Insbesondere zu Beginn der Therapie berichten deutlich über 50% der Patienten von einer Beruhigung und Müdigkeit. Diese Nebenwirkung ist fast immer gewünscht und therapeutisch sinnvoll.

Thoraxdruck (Druck hinter dem Brustbein) und Drang zum tiefem Durchatmen wird immer zum Anlass genommen die Dosierung bis zur Gewöhnung vorerst zu reduzieren … lässt fast immer nach einer halben bis Stunde nach Ende der Behandlung nach.

Hustenreiz (trockener Husten) während und kurz nach der Behandlung ist erfahrungsgemäß bei etwa 10% der Patienten zu beobachten und lässt nach einer Weile wieder nach.

Kopfschmerzen und Gesichtsröte sind Folge der IOT und eher selten (unter 5% der Patienten). Sie lassen nach einer Weile wieder nach.

Harnflut oder Diurese treten bei besonders Patienten mit Ödemen aller Art auf. Diese Nebenwirkung ist praktisch immer erwünscht und nützlich.

Grippeähnliche Symptome (z.B. Fieber) können selten auftreten, lassen aber nach einer Weile wieder nach.

Aktivierung von flüchtigen Entzündungsherde in der Lunge bzw. schlummernden Krankheitsherden (wie z. Bsp. Blinddarm, Zahnwurzel) können auftreten.

Diese Symptome klingen in der Regel rasch wieder ab. Die Reaktionen sind zum Teil Ausdruck der gewünschten Therapiewirkung und nicht alle als negativ zu bewerten. Sollten bei Ihnen diese oder andere Reaktionen auftreten, sagen Sie bitte Bescheid, damit wir das weitere Vorgehen besprechen können.

Meist genügt beim nächsten Mal eine Reduzierung der Sauerstoffmenge.


Indikationen für die Oxyvenierungstherapie

Bei folgenden Symptomen/Krankheiten sind bereits Behandlungserfolge beschrieben. Das ist keine Aussage darüber, dass sie immer erfolgreich sind bzw. auch bei Ihnen erfolgreich sein werden! Wie immer bedarf es auch hier einer ausführlichen Beratung vorab.

  • Atherosklerotisch bedingte Krankheiten
    • diabetische Makro- und Mikroangiopathie
    • Ulcerus cruris
    • Periphere arterielle Durchblutungsstörung (pAVK)
    • Morbus Raynaud
    • Atherosklerotisch bedingte Durchblutungsstörung der Hirngefäße
    • apoplektischer Insult
    • Koronare Durchblutungsstörungen
    • Myokardinfarkt
    • venöse Durchblutungsstörungen
  • Chronische allergisch-entzündliche Erkrankungen
    • Asthma bronchiale
    • chronische Bronchitis
    • chronische allergische Ekzeme
    • saisonale Rhinokonjunktivitis
    • atopische Dermatitis (Neurodermitis)
    • Psoriasis
    • Allergien (Heuschnupfen)
  • Chronisch entzündliche Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes
    • Morbus Crohn
    • Colitis ulcerosa
    • eosinophile Ösophagitis
  • Chronisch entzündliche Erkrankungen der Leber
    • Hepatitis
    • Leberzirrhose
    • chronische Pankreatitis
  • Chronisch entzündliche und andere Erkrankungen der Niere
    • Hypertonie
  • Ödeme aller Art
  • Organschwellungen
  • Commotio und Contusio cerebri
  • Augenkrankheiten
    • trockene Makuladegeneration
    • Retinitis pigmentosa (Retinopathia pigmentosa)
    • Retinalvenenthrombose
    • Glaukom
  • Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten
    • Morbus Menière
    • zentralvestibulärer Schwindel
    • Hörsturz
    • Tinnitus
    • Sinusitis
  • Cerebrale Krampfanfälle
  • Neurodegenerative Erkrankungen
    • Morbus Alzheimer
    • Morbus Parkinson
  • Autoimmunerkrankungen
    • Multiple Sklerose
    • Autismus
    • Narkolepsie
    • Rheumatoide Arthritis
    • Sklerodomie (systemische Sklerose)
    • Syringomylie
    • Chorea minor (Veitzstanz)
  • Karzinome
  • Sarkome Leukämien
  • Lymphome
  • Diabetes mellitus Typ-1 und Typ-2
  • metabolisches Syndrom
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Polyneuropathien
  • diabetische Neuropathien
  • Wundheilungsstörungen
  • Schlafstörungen
  • nervöse Übererregbarkeit
  • Erschöpfungszustände
  • Depressionen
  • Hirnleistungsstörungen besonders bei Kindern
    • geistige Retardierung
    • Schulleistungsschwäche
    • Verhaltensstörungen
    • Legasthenie
  • Schwangerschaftshypertonie
  • Präeklampsie
  • Eklampsie
  • Fertilitätsstörungen
  • Dysmenorrhoe
  • Haarausfall

Positive, zum Teil in Studien nachgewiesene, Wirkung der Therapie

  • rasche Ödem-Ausschwemmung
  • Regulation und Stabilisierung des Herz-Kreislauf-Systems
  • Vitalisierung durch die Verbesserung der Hirndurchblutung
  • verbesserte Schlaflänge und -tiefe
  • deutliche Stimmungsaufhellung (antidepressive Wirkung)
  • Nachlassen von Ruhe- und Bewegungsschmerzen
  • Messbare Verlängerung der Gehstrecke bei Claudicatio intermittens
  • Besserung der Leber- und Nierenwerte
  • Steigerung der Hör- und Sehleistung (insb. bei Makuladegeneration)
  • Verbesserung der Atemfunktion
  • Steigerung der körpereigenen Abwehrkräfte gegenüber Infektionen
  • deutliche Reduzierung von allergischen Beschwerden

Die IOT ist ein Heilverfahren, dass der Erfahrungsheilkunde zuzuordnen ist. Es gibt kleinere wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit und mehrere hundert Anwender mit tausendfachen Behandlungserfahrungen. Leider haben Studien, die den Anforderungen des internationalen Standards der good clinical practice entsprechen, diese Erkenntnisse bisher noch nicht abgesichert. Schulmedizinisch wird die Oxyvenierung kontrovers diskutiert.

Studienauswahl

  • Beeke, E., Kreutzer, F.J.: Intravenöse Sauerstofftherapie bei trockener altersbedingter Makuladegeneration. Klinische Studie. EHK 2007; 56: 740-744
  • Kreutzer, F.J., Nowak, V.: Stimulation der endogenen Prostacyclinsynthese durch interavenöse Sauerstofftherapie (Oxyvenierung nach Regelsberger). Ergebnisse einer offenen Multicenter-Studie. EHK 1/2002: 12-15
  • Kreutzer, F.J.: Bildung von 15-Lipooxygenase-1 in eosinophilen Granulozyten während intravenöser Sauerstoffbehandlung (Oxyvenierung nach Regelsberger). EHK 2004; 53: 759-764. Basierend auf Chaitidis, P., Kreutzer, F.J., Gerth, C., Janata, P., Kühn, H.: Impact of intravenous oxygen therapy on the expression of reticuocyte-type 15-lipooxygenase in human volunteers. Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids 2004; 71(5): 271-276
  • von Schoenebeck, G.: Intravenöse Sauerstoff-Therapie. Hartnäckige Ulzera heilen ab. Ärztliche Praxis vom 25.2.1992, 44, 16: 25-27

Für Interessierte gibt es hier zwei Videos von Dr. med. Dirk Wiechert auf Youtube

Die intravenöse Sauerstofftherapie – ein informativer Kurzfilm – Dr. med. Dirk Wiechert

Oxyven- Intravenöse Sauerstofftherapie (Anwendung) – Dr. med. Dirk Wiechert


Prostacyclin

  • Prostacyclin wird natürlicherweise in den Endothelzellen gebildet (sie kleiden die Innenseite der Blutgefäße aus)
  • Prostacyclin wird im Körper aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren gebildet wird (Eicosanoide)
  • Die Ausgangssubstanz ist die Arachidonsäure, eine mehrfach ungesättigte Fettsäure
  • Arachidonsäure kann vom Körper selbst gebildet werden
  • Neben dem Prostacyclin werden aus der Arachidonsäure noch weitere lokal wirksame Hormone gebildet (u.a. Prostaglandine, Thromboxane, Leukotriene, Endocannabinoide)
  • Eicosanoiden entfalten wünschenswerte (physiologische) Wirkungen (z.B. Blutgerinnung, Gefäßweitstellung, Entzündungsregulation), sie sind aber auch an unerwünschten (pathologischen) Prozessen beteiligt

Im Internationalen Gesellschaft für Oxyvenierungstheraphie e.V. bin ich Mitglied und nehme regelmäßig an deren Fort- und Weiterbildungen teil.

Falls Sie nicht sicher sind, ob Ihre Thematik hier genannt ist, sprechen Sie mich bitte einfach an. Es gibt nicht nur diese eine Therapieform.